
Toundra aus Spanien ist nichts was man landläufig hier kennt. Im ausgewählten Fachhandel findet man das Album trotzdem mit dem bezeichneten Namen „II“ als 2er LP oder CD.
Das Cover ist wie ich finde sehr gelungen, mit den beiden Elfen die von Pfeilen durchbohrt aneinander sterben. Schöne Farbgebung im wohligen gelb gehalten. Macht auf alle fälle Lust auf mehr.
Tchod ist ein kurzer und sehr solider Einstand. Kraftvoll, melodisch gut arrangiert ist der Song, den man auch als Intro interpretieren kann, eine ausgesprochen gute Wahl und lässt nur gutes für die folgenden vierzig Minuten erwarten. Er forciert gleich mal die Erwartungen nach oben. Magreb schließt sich fast nahtlos an das Intro an und wir sind schon mal froh das Toundra ihr Niveau halten kann. Magreb fängt behutsam fast schon sanft an, ein langsamer überlegter Songaufbau indem die Instrumente nach und nach hinzu kommen. Bei einer Länge von über zehn Minuten hat man aber auch keine Eile. Nach dieser Eingewöhnung beginnt Magreb zu kochen und legt die Behutsamkeit zur Seite. Ein sehr fundiertes und wechselhaftes Schlagzeugspiel ist eine Basis des Songs. Breite wunderschöne Gitarrenwände und Bassläufe erweitern die Musikalische Fantasiewelt. In der ersten Hälfte des Songs bildet sich eine fulminante Melodie heraus, die in der Mitte gekonnt zerschnitten wird nur um dem eine weitere Facette zu geben. Ein vielseitiger Song mit ruhigen parts und enthemmten parts und grandiosen Finale. Breit im Volumen und im Sound, mit einigen tollen Klangideen zwischen drin. Ein Song großer Wirkung.
Zanzibar steigt sehr hart ein, gibt dem Hörer aber nach diesen Inferno Gelegenheit sich zu erholen. Kaum aber hat sich der Hörer etwas erholt greift Toundra wieder an und eigentlich wissen wir schon das wir der grandiosen Klangwelt erlegen sind. Zanzibar ist laut und schön.
Völand zeigt eine völlig andere Seite von Toundra. Ein reines Akustik-Set. Die Drums werden mit Percussion getauscht, die E-Gitarren wandeln sich in Westerngitarren. Interessant sehr kreativ. passt auch irgendwie hierein. Danubio / Danube ist wieder fast schon ein Fall fürs Lehrbuch. Ein geschmeidiger guter, nie langweiliger Song. Er überzeugt durch immer klar definierte Linien und klar erkennbare Welten auch wenn man nicht immer im vorraus weis in welche Fantasiewelt uns Toundra damit führt. Mit Ihrem Mut zur härte zeigen uns die Spanier das es nicht nur friedlich zugeht im Land der Elfen und Einhörner. Danubio / Danube entwickelt sich über die sieben Minuten vom zahmen Tier zum unbändigen Untier. Auch Koschei ist dem fast dem Doom näher als dem Postrock. Koschei ist aber anders gestrickt als Danubio / Danube. Eh fällt sehr positiv auf das jeder Song eigenständig ist und man ihn klar von jedem anderen Song auf dem Longplayer unterscheiden kann.
Bizancio / Byzantium ist schon der letzte Track auf II, er fängt wieder sehr melodisch an. Wie gewohnt mit hohen Beat, aber die Gitarre mit fantastischer Melodie und das Schlagzeug spielt wie zuvor grandios mit. Einige Akustikelemente werden eingespielt, zusammen mit einen Cello. Hier merkt man das Kompensatorische Potential der Combo, ihre Fähigkeiten Songstrukturen zu kreieren. Ein vielseiter Song der nocheinmal das riesige Potenzial der Band um einiges erweitert. Leider bricht Bizancio / Byzantium unvermittelt ab und man bekommt nicht die Gelegenheit sich von dem Album zu verabschieden. Ein Outro wäre dem ganz gut bekommen.
Fazit:
Ein grandioses Album ist II. Melodisch, schnell, hart ohne derbe zu sein sticht II aus vielen anderen Postrock-produktionen heraus. Überzeugend ist vor allem, die Stilsicherheit die Toundra hat, von den ersten paar Takten an weiß man, was einen erwartet und auf welche Art und Weise die Mannen ihre Instrumente einsetzen. Hinzu kommt die spielerischen Qualitäten gepaart mit den guten Songstrukturen. Das eine Band in der Lage ist ihre eigenen Songs zu Spielen ist nicht jeder Band vergönnt, hier ja. Neben der sehr guten Musik muss leider erwähnt werden, das ich das Album trotz des Starken Gesamteindruck nicht ganz Rund empfinde. Gerade zum Ende hätte ich mir ein entgegenkommen auf den Hörer gewünscht.
Ps. An den Tracknamen kann man seine Geographiekenntnisse testen.
Fakten
- Albumname: II
- Bandname: Toundra
- Tracklist:
- Albumlänge: ca. 40 min.
- Gengre: Postrock, Postmetal
- Vö-Jahr: 2009
- Label: Aloud Music Ltd
1. Tchod 2:48
2. Magreb 10:59
3. Zanzibar 4:54
4. Völand 2:12
5. Danubio / Danube 7:16
6. Koschei 3:34
7. Bizancio / Byzantium 8:38
Website: http://www.myspace.com/toundraband
Unsere Wertung




(4.5/5)
Oh Mann, ich hab’ mich wirklich schon lange nicht mehr sooo gefreut durch Zufall auf eine so dermassen grandiose Band zu stossen, die dann auch noch Vinyl in absolut tauglichen Covern verkauft.
Danke, danke, danke!
Freut mich wenns dich freut.
rb